Rotenturm, Amerikanerkreuz

Das Amerikanerkreuz befindet sich an der Kreuzung Hauptstraße (L382) und Angergasse in Rotenturm.

An einem wunderschönen Sonntag Vormittag, am 3. September 1995, wurde unter großer Anteilnahme der gesamten Bevölkerung und im Rahmen eines Heimattages das renovierte Amerikanerkreuz geweiht. Der Platz war voll von Menschen, als der Bürgermeister Franz Pomper, der bereits seit 1962 dieses Amt in der Gemeinde ausübt, die Veranstaltung eröffnete. Pfarrer Liedl, der zwei Tage vorher das Amt eines Dechants übernommen hatte und der schon seit 1963 Pfarrer von Rotenturm ist, versuchte in seiner Predigt die Vergangenheit in Erinnerung zu rufen. Er beschrieb die unvorstellbare Not von damals. Es gab keine Zukunftschancen, man lebte von einem Tag auf den anderen. Die jungen Menschen, die meist aus kinderreichen Familien kamen, konnten in Rotenturm nicht leben und mussten auswandern. Gerade heute, wo wir in Wohlstand leben und wo das eigentliche Amerika jetzt im Burgenland ist, sollten wir auf jene nicht vergessen, die heute noch immer eine Heimat suchen. Das Amerikanerkreuz wurde 1910 von den ausgewanderten Ortskindern gestiftet. Sie hatten Angst, einmal in der Heimat vergessen zu werden. Dieses große Kreuz sollte auch künftigen Generationen das sichtbare Zeichen ihrer Heimattreue sein. Auf dem Sockel dieses Kreuzes steht geschrieben: "Zur Ehre Gottes, gewidmet von den Auswanderern nach Amerika, Vörösvar 1910". Bis zu diesem Jahr 1910 waren bereits 62 Personen aus Rotenturm (Vörösvar) nach Amerika gezogen. Viele von ihnen ließen sich in Chicago nieder. Wer damals auswanderte, musste damit rechnen, nie mehr die alte Heimat zu sehen. Für die Zurückgebliebenen war es so, als wären sie gestorben. Daher ist es nicht zu verwundern, dass die Auswanderer von der Angst geplagt wurden, daheim vergessen zu werden. Sie waren mit wenig Geld, wenig Bildung und keinen Kenntnissen der englischen Sprache nach Amerika gefahren. Schwere Arbeit und Heimweh plagten sie. Um wenigstens einen Platz im Dorf und in der Kirche zu erhalten, legten sie Dollar auf Dollar und sandten dieses Geld nach Hause, wo damit dieses Kreuz errichtet worden ist. Auf dem Sockel sind alle 62 Auswanderer mit dem Namen eingetragen. Obwohl seit der Errichtung des Kreuzes bereits 85 Jahre vergangen sind, und sich kein Dorfbewohner an diese Zeit mehr erinnern kann, haben die jetzigen Rotenturmer dieses Kreuz schön hergerichtet und damit das Andenken dieser armen Menschen bewahrt. Insgesamt mussten über S 70.000,- dafür aufgebracht werden. In den letzten Jahren sind etwa ebenso viele nach Rotenturm gekommen und haben sich in der Gemeinde niedergelassen. Rotenturm zählt zu den wenigen Gemeinden im Burgenland, wo es eine Zunahme der Bevölkerung gibt. Von den früher 700 Einwohnern sind in den letzten Jahren 900 geworden. Noch etwas zeichnet diese schöne Gemeinde aus: Seit das ungarische Dorf Sziget und das kroatische Dorf Spitzzicken mit Rotenturm zu einer einzigen Gemeinde zusammengelegt wurden, werden in dieser Gemeinde drei Sprachen gesprochen. Die Bevölkerung lebt in Frieden miteinander. Das ist nicht überall so in der Welt. Am Ende der Veranstaltung haben der Vizebürgermeister Josef Tuider und Dr. Walter Dujmovits in kurzen Vorträgen die Geschichte der Auswanderung vorgetragen. Was dann folgte, war ein burgenländisches Dorffest. Es wurde gespielt, gegessen und getrunken. Bis spät in den Nachmittag saß man beisammen. Der Gemeinde Rotenturm gebührt der Dank für die schöne und eindrucksvolle Veranstaltung, die den ausgewanderten Dorfkindern gewidmet war. Text: Burgenländische Gemeinschaft, Ausgabe 1995, Nr. 11 und 12.



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