Frauenkirchen

Frauenkirchen ist eine Stadt im Bezirk Neusiedl am See (Burgenland) mit 2862 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2018), von denen mehr als 7 % der Volksgruppe der Burgenland-Ungarn angehören. Der ungarische Ortsname der Stadt ist Boldog-Asszony oder Fertoboldog-Asszony.

Geschichte: Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort im Königreich Ungarn als Szent Maria im Jahr 1324. 1529 (Erste Wiener Türkenbelagerung) und 1683 (Zweite Wiener Türkenbelagerung) wurden das Dorf und die Kirche von den Osmanen zerstört. Der Wiederaufbau erfolgte unter dem Grundherrn Paul I. Esterhazy, einem der größten Grundbesitzer Altungarns. Um die von 1695 bis 1702 errichtete Basilika und das Franziskanerkloster entwickelte sich der überwiegend von Deutschsprachigen bewohnte Ort ab dem Ende des 17. Jahrhunderts allmählich zu einem regionalen Handelszentrum. Von 1898 an musste aufgrund der Magyarisierungspolitik der Regierung in Budapest der ungarische Ortsname Fertoboldogasszony bzw. Boldogasszony verwendet werden (Ferto-tó = Neusiedler See, ferto = Sumpf).

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs wurde Frauenkirchen nach zähen Verhandlungen wie ganz Deutsch-Westungarn in den Verträgen von St. Germain und Trianon 1919 bzw. 1920 Österreich zugesprochen. Der Ort gehört daher seit 1921 zum neu gegründeten österreichischen Bundesland Burgenland. Frauenkirchen wurde 1982 zur Stadtgemeinde erhoben.

Jüdische Gemeinde: 1678 erlaubte Graf Paul I. Esterhazy den Mönchhofer Juden, die von Husaren überfallen und ausgeplündert und vom Abt des Stiftes Heiligenkreuz des Ortes verwiesen worden waren, die Ansiedlung in Frauenkirchen. 1876 erreichte die Jüdische Gemeinde in Frauenkirchen mit 864 Juden ihren Höhepunkt. Dies entsprach etwa einem Drittel der gesamten Einwohnerschaft. Der Ort gehörte zu den jüdischen Siebengemeinden im Burgenland. Nach dem "Anschluss Österreichs" an das nationalsozialistische Deutschland im März 1938 wurde in Frauenkirchen ein provisorisches Anhaltelager eingerichtet, in das etwa 400 Juden des Seewinkels unter Zwang verbracht wurden. Im April 1938 wurden die meisten dieser Juden über die ungarische Grenze abgeschoben und in der Folge die Jüdische Gemeinde vernichtet. Die Synagoge wurde 1939 demoliert, der Jüdische Friedhof ist erhalten.

1938 lebten in Frauenkirchen rund 350 Juden, ein Drittel von ihnen überlebte die Nazi-Herrschaft nicht. Ihre Häuser wurden durch die Nazis geschleift, berichtete der ORF Burgenland. Am 31. Mai 2016 wurde an der Stelle der ehemaligen Synagoge die Gedenkstätte "Garten der Erinnerung" eröffnet. Zu sehen sind drei Tafeln mit den Nachnamen der einstigen jüdischen Familien von Frauenkirchen, ergrabene Mauerreste der Synagoge und die Skulptur einer Thorarolle.

Kultur und Sehenswürdigkeiten:
Altes Brauhaus: ObjektID: 5929, Kirchenplatz 27. Das alte Brauhaus ist ein stattlicher zweigeschoßiger Barockbau und steht gegenüber der Pfarrkirche.
Annasäule: ObjektID: 5940, Kirchenplatz 2. Steinfigur auf Weinlaubsäule, um 1700.
Basilika Frauenkirchen, macht die Stadtgemeinde zu einem Wallfahrtsort. Die Basilika zu Mariä Geburt ist eine barocke, römisch-katholische Wallfahrtskirche in der Stadtgemeinde Frauenkirchen im Bezirk Neusiedl am See im Burgenland. Die Wallfahrtskirche Mariä Geburt machte den Ort bereits im 14. Jahrhundert zu einem bekannten Wallfahrtsort. Die Basilica minor gehört zum Dekanat Frauenkirchen in der Diözese Eisenstadt. Die Kirche steht unter Denkmalschutz. Bei der Ersten Wiener Türkenbelagerung (1529) wurde das gesamte Dorf zerstört. Der Kirchenbau blieb mehr als 100 Jahre eine Ruine. Als die Familie Esterházy 1622 in den Besitz des Ortes kamen, wurde unter ihrer Ägide die Kirche 1668/1669 neu aufgebaut und mit einer Stiftung (1669) mit Bauarbeiten bis 1678 mit einem Franziskanerkloster verbunden.
Ehem. Esterhazy-Schlössel (Polytech. Schule): ObjektID: 5926, Kirchenplatz 1e. Das ehemalige Schlössel wurde in der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts zu einem zweigeschoßigen Barockbau mit 17 Fensterachsen umgebaut.
Erdei-Mühle: ObjektID: 5931, Neustiftstraße 2.
Figurenbildstock: ObjektID: 5936, Kirchenplatz 2. Der Figurenbildstock an der Südseite der Kirche stammt aus der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts.
Figurenbildstock: ObjektID: 5941, bei Franziskanerstraße 65. Ein rechteckiger Pfeiler mit der Inschrift MECE 1751; die Figur ist neueren Datums.
Franziskanerkloster Frauenkirchen: ObjektID: 5925, Kirchenplatz 2, nördlich an der Basilika angebaut. Nach der Stiftung im Jahr 1669 wurde das Kloster bis 1678 erbaut, jedoch bereits 1683 zerstört. In den Jahren 1686 und 1687 wurde es wiederhergestellt. Der zweigeschoßige Vierflügelbau schließt nördlich an die Pfarrkirche an. Der ostseitige Gartentrakt entstand in der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts.
Garten der Erinnerung
Johannes-Nepomuk-Statue: ObjektID: 5937, vor Amtshausgasse 3. Die barocke Statue stammt aus dem 18. Jahrhundert. Die Jahreszahl 1863 auf dem Podest betrifft ihre Versetzung an den heutigen Platz.
Josephssäule: ObjektID: 5939, bei Josefistraße 81, Die Statue des heiligen Josef auf einer Weinlaubsäule stammt aus dem 18. Jahrhundert.
Jüdischer Friedhof Frauenkirchen: ObjektID: 5942. Der Jüdische Friedhof Frauenkirchen befindet sich an der St.-Andräer-Straße am südlichen Ortsrand der Stadtgemeinde Frauenkirchen im Bezirk Neusiedl am See im Burgenland. Der Jüdische Friedhof steht unter Denkmalschutz. 1678 erlaubte Graf Paul I. Esterhazy die Ansiedlung von Juden in Frauenkirchen. Der Ort gehörte zu den jüdischen Siebengemeinden im Burgenland. 1876 erreichte die Israelitische Kultusgemeinde von Frauenkirchen mit 864 Juden ihren Höhepunkt; 1934 zählte sie noch 368 Mitglieder. Im Zuge des Anschlusses an NS-Deutschland kam es zur Vertreibung und Ermordung der jüdischen Bevölkerung. Die Synagoge Frauenkirchen wurde 1939 von den Nationalsozialisten zerstört. Der Friedhof beherbergt auf einer Fläche von 2.900 m² 1.320 Gräber. Im Jahr 1994 wurde der Friedhof vom Verein Schalom wieder instand gesetzt. Auch ein neues Tor wurde errichtet. In renoviertem Zustand wurde der Friedhof der Gemeinde zur weiteren Pflege übergeben.
Kalvarienberg: ObjektID: 5928, steht am Kirchenplatz 2 im Süden der Basilika. Der Kalvarienberg in Frauenkirchen, einer Stadt im Bezirk Neusiedl am See (Burgenland), befindet sich südöstlich der Basilika Frauenkirchen. Auf einem Plateau in der Mitte steht die Kreuzigungsgruppe aus dem Jahr 1759 zu der ein spiralförmiger Weg hinaufführt. In den kleinen Kapellen entlang des Weges sind die Leidensstationen Jesu in Steinreliefs dargestellt. Der Kalvarienberg steht unter Denkmalschutz und gehört zu den bedeutendsten Barockdenkmälern Österreichs. Er ist gemeinsam mit der Basilika Mariä Geburt ein häufig besuchtes Wallfahrtsziel. Zwei Jahre nach der Zerstörung von Frauenkirchen durch die Türken ließ Paul Esterházy 1685 den Kalvarienberg anlegen. Der Fürst ließ in den Jahren 1695 bis 1702 auch die Basilika Mariä Geburt errichten. Von 2009 bis 2012 wurde der Kalvarienberg in Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt, der Kulturabteilung des Landes Burgenland und der Stadt Frauenkirchen restauriert. Die Kosten der Sanierung betrugen ca. € 500.000,-.
Kath. Pfarrkirche Mariae Geburt: ObjektID: 5916, Kirchenplatz 2. Errichtet vom Baumeister und Architekten Francesco Martinelli und 1702 geweiht. Die reichhaltige Stuckdekoration stammt von Pietro Antonio Conti und die Wandmalerei von Luca Antonio Colombo. Der prunkvolle hochbarocke Altar wurde von Fürst Paul Esterházy gestiftet.
Kriegerdenmal: Das Denkmal befindet sich neben der Pfarrkirche Mariae Geburt, eingefriedet mit Ketten mit einem Kreuz in der Mitte.
Kriegsgefangenenfriedhof ("Serbenfriedhof"): ObjektID: 5943. Grabstätte von über 2000 Kriegsgefangenen aus dem Ersten Weltkrieg
Mariensäule: ObjektID: 5934.
Mariensäule: ObjektID: 5938, Kirchenplatz 2. Ein viereckiger Sockel mit vier Engeln und eine Immaculatastatue auf einer Weinlaubsäule.
Mater-Dolorosa-Säule: ObjektID: 5935, Kirchenplatz 2. Die Säule mit der Mater Dolorosa hinter dem Kalvarienberg entstand um 1700.
Mehlmagazin der Erdei-Mühle: ObjektID: 30138, Neustiftstraße 2.
Rochuskapelle: ObjektID: 5927. Ein kleiner Giebelbau aus dem Jahr 1713 mit einer Nischenmadonna.
Schüttkasten Frauenkirchen, Granarium: ObjektID: 5930. Der Schüttkasten Frauenkirchen steht in Frauenkirchen am Raiffeisenplatz 1. Er trägt das Wappen des Fürsten Esterházy und ist mit der Jahreszahl 1766 bezeichnet. Der viergeschossige Giebelbau ist 17 Fensterachsen lang. Über dem Erdgeschoss und unter dem Dach ist die Decke gewölbt, die anderen Decken sind Holzbalkendecken.

Wirtschaft und Infrastruktur: Frauenkirchen ist Schulstadt mit einer Volks- und einer Hauptschule und einer Handelsakademie. In der Fußgängerzone gibt es einige Geschäfte. Nach Erbohrung einer ergiebigen Thermalquelle wurde die wasserrechtliche Bewilligung für einen Thermenbau erteilt und 2009 die St. Martins Therme & Lodge eröffnet. 2 km von Frauenkirchen befindet sich der alte Gutshof Althof.

Es gibt ein medizinisches Zentrum, mit einer Unfallambulanz, einer Rettungsstelle des Roten Kreuzes unter anderem mit einem Notarzteinsatzfahrzeug, ein Ärztezentrum, mit einem Pflegeheim, einer Tagesstätte und einer Wohngemeinschaft.

Jakobsweg: Frauenkirchen ist Ausgangspunkt für den bis zur Einbindung in den Jakobsweg Österreich in Haslau-Maria Ellend überwiegend im Burgenland verlaufenden Jakobsweg Burgenland.

Persönlichkeiten:
Der amtierende Landeshauptmann des Burgenlandes (seit 2000), Hans Niessl, war in Frauenkirchen auch Bürgermeister.
Bürgermeister Johann Kobor (1882–1958) betrieb in Frauenkirchen ein Gasthaus und ein Kino.
Geboren in Frauenkirchen sind die Politiker Stefan Kettner (1887–1957) und Martin Wetschka (1888–1971).
Erich Stekovics gilt mit seinem Anbau von über 3200 verschiedenen Sorten Paradeiser als der "Kaiser der Paradeiser".
Josef Umathum erlangte mit seinem Weingut überregionale Anerkennung.
Isabelle Zwinger ist Landesmeisterin im Voltigieren.
Frauenkirchen ist der Geburtsort des Komponisten Mihály Mosonyi (dt. Michael Brand, 1815–1870).
Die Malerin und Ordensfrau Elfriede Ettl (1914–2003) ist in Frauenkirchen geboren.

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