St. Martin an der Raab

Sankt Martin an der Raab ist eine Marktgemeinde im Bezirk Jennersdorf im Burgenland in Österreich mit 566 Einwohner (Stand 1. Jänner 2017). Der ungarische Ortsname der Gemeinde ist Szent Márton (Rábaszentmárton), der slowenische Name ist Sveti Martin. Durch Sankt Martin an der Raab fließt der aus Oberdrosen kommende Drosenbach. Der Bach von Raabäcker hat seinen Ursprung in Sankt Martin.

Die Gemeinde St. Martin an der Raab wurde 1970 durch die Zusammenlegung von sechs Gemeinden gebildet und 1979 wurde ihr das Recht zur Führung der Bezeichnung "Marktgemeinde" verliehen (durch VO 47). Erwähnenswert sind die Pfarrkirche von St. Martin/Raab mit ihrem barocken, reich geschmückten Hochaltar, sowie die Glockentürme, von denen sich sechs im Gemeindegebiet befinden. Zahlreiche Vereine, wie der Musikverein, die acht Feuerwehren, sieben Sportvereine, vier Verschönerungsvereine oder der Kulturverein prägen das gesellschaftliche und kulturelle Leben der Bevölkerung.

Außerdem findet man in St. Martin/Raab einen Österreichischen Kameradschaftsbund, der im Jahre 1956 als erster derartiger Verein im Burgenland gegründet wurde. Unter all diesen Vereinen ist wohl besonders der Kulturverein zu erwähnen. Dieser wurde von dem Maler Feri Zotter gegründet. Mit seiner Hilfe wurde aus einem für den Abbruch bestimmten Bauernhaus das sogenannte "Atelierhaus", in das sich inzwischen international bekannte Künstler zurückziehen, um ungestört arbeiten zu können. Unter ihnen waren unter anderem Paul Kont, Johannes Wanke, Peter Handke, Peter Turini, Barbara Frischmuth, Andreas Vitásek u.v.a.

Gemeindegliederung: Die Gemeinde besteht aus den Katastralgemeinden Doiber, Gritsch, Neumarkt an der Raab, Oberdrosen, St. Martin an der Raab und Welten.

Geschichte: Der Ort gehörte, wie das gesamte Burgenland, bis 1920/21 zu Ungarn (Deutsch-Westungarn). Seit 1898 musste aufgrund der Magyarisierungspolitik der Regierung in Budapest der ungarische Ortsname Szent Márton verwendet werden. Nach Ende des Ersten Weltkriegs wurde nach zähen Verhandlungen Deutsch-Westungarn in den Verträgen von St. Germain und Trianon 1919 Österreich zugesprochen. Der Ort gehört seit 1921 zum neu gegründeten Bundesland Burgenland.

Bericht in der Güssinger Zeitung vom 24. April 1927: St. Martin an der R aab. (Glockenaufzug.) Die Pfarrgemeinde St. Martin an der Raab hat sich entschlossen anstatt den Kriegsglocken 3 neue Metallglocken einzuschaffen im Gesamtgewicht von über 14 q. Die Weihe und der Aufzug derselben hat am Palmsonntag nachmittags stattgefunden. Trotz des schlechten Wetters ist von Weit und Breit eine grosse Volksmenge erschienen. Vollzählig erschien auch der Heimkehrerverein der Pfarre St.-Martin a. d. Raab unter der Führung des Obmannstellvertreters Josef Poglitsch und die freiwillige Feuerwehr von Eisenberg unter der Führung des Obmann-Stellvertreter Franz Weber. Nach der Eröffnung der Feierlichkeit durch Schäfers Sonntagslied: „Das ist der Tag des Herrn“ vorgetragen vom Männergesangverein St.-Martin an der Raab unter Leitung des Chormeisters Johann Dirnbeck, wurde Dechant Schwartz aus Mogersdorf von 2 Schulmädchen begrüsst. Nacher ging der Zug mit den wunderschön bekränzten Glocken unter Musikklang vom Dorfe hinauf zur Kirche geleitet von der Geistlichkeit, von den weissgekleideten Mädchen, von den erschienenen Vereinen und einer grossen Volksmenge. Als der Festzug bei der Kirche ankam stimmte der Männergesangverein das schöne Lied Beethovens an: „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre“, währenddem Herr Dechant Schwarz unter Assistenz des Ortspfarrer und der Herrn Kapläne von Jennersdorf und St. Martin an der Raab die Weihe vornahm. Nachher hielt Dechant Schwarz eine schöne Rede über die Bestimmung der Glocksn. Ein feierliches Te Deum schloss die Feierlichkeit. Noch sei erwähnt, dass während des Aufzuges der Glocken der Kirchenchor unter Leitung des Kantorlehrers Prenner E. jun. schöne Kirchenlieder, der Kath. Mädchenbund der Pfarre St- Martin ein Festspiel, und brave Schulmädchen von St. Martin und Neumarkt schöne Gelegenheitsgedichte vortrugen, die allgemeinen Beifall ernteten.

Bericht in der Güssinger Zeitung vom 17. August 1930: St.-Martin a. Raab. Am 6. August 1930 ereignete sich beim Bade in der Klementmühle ein sehr trauriger Unfall. Die 18 jährige Tochter des allseits bekannten und beliebten Gastwirtes Karner aus St. Martin a.d. Raab ist beim Baden in der Raab ertrunken. Obzwar anwesende Badegäste ihr zur Hilfe eilten, konnte sie nicht gerettet werden. Der Leichnam wurde in Kürze geborgen. Die Beerdigung fand am 8. August unter recht zahlreicher Teilnahme der Bevölkerung in St. Martin a. R. statt. Den schwergeprüften Eltern, welche auf so tragischer Art ihre einzige Stütze verlieren mussten, wendet sich allgem eine Teilnahme zu.

Kultur und Sehenswürdigkeiten:
Dreiländereck: Dreiländereck Slowenien - Ungarn - Österreich
Künstlerdorf Neumarkt: Sommerakademiekurse von bildender Kunst bis Musik, in Neumarkt an der Raab
Lehmspeicher und denkmalgeschützter Glockenturm in Eisenberg an der Raab
Pfarrkirche St. Martin an der Raab (ObjektID: 11519): 1746 im barocken Stil erbaut, im 2. Weltkrieg schwer beschädigt, Wiederaufbau 1947-73. Burgenländische Gemeinschaft Ausgabe 1977, Nr.11: Renovierung der Kirche St. Martin: Die wunderschöne aus dem 17. Jahrhundert stammende Pfarrkirche von St. Martin an der Raab wurde jetzt mit Gesamtkosten von über 1 Million Schilling innen und außen renoviert. Für die Inneneinrichtung - hier wurden die barocken Figuren vergoldet und gegen Holzwurmbefall geschützt und die Orgel wurde renoviert - wurden 840.000 Schilling aufgewendet - äußerlich erstrahlt der Turm in neuem Glanz - er bekam ein neues Kupferdach. Finanziert wurde die Renovierung durch ein Sammelergebnis in der Pfarre, durch das Bundesdenkmalamt der Burgenländischen Landesregierung und durch den Bischofshof.
Rasenkreuz in Eisenberg an der Raab
Römermuseum: 1998 eröffnet
Römische Hügelgräber: unter strengem Denkmalschutz

Persönlichkeiten:
Christian Bakanic (* 1980), österreichischer Jazzmusiker, Akkordeonist und Komponist
Joseph Sucher (1843–1908), österreichischer Komponist, Kapellmeister und Dirigent aus Doiber
Feri Zotter (1923–1987), österreichischer Maler und Bildhauer, gründete das "Atelierhaus" in Neumarkt an der Raab
Susanne Gstöttner (* 1928), österreichische Malerin

Personen mit Beziehung zum Ort:
Josef Reichl (1860–1924), österreichischer Mundartdichter, in Sankt Martin an der Raab aufgewachsen
Johannes Wanke (1923–2005), österreichischer Maler, lebte seit 1981 in Neumarkt an der Raab und ebenda verstorben
Walter Pichler (1936–2012), österreichischer Architekt und Künstler, seit 1972 Atelier und Lebensmittelpunkt in St. Martin an der Raab

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