Bernstein im Burgenland

Bernstein (ungarisch: Borostyánko, kroatisch: Boroschtschaja) ist eine Marktgemeinde im Bezirk Oberwart im Burgenland in Österreich. Der Name des Ortes leitet sich von der Bernsteinstraße ab, von der ein Seitenarm als "Via Magna" im Tauchental vorbeiführte. Der ungarische Ortsname der Gemeinde ist Borostyánko, der kroatische Boroschtschaja.

Der Ort ist vor allem durch seine Burg und den dort zu findenden grünen Edelserpentin bekannt.

Geografie: Die Gemeinde liegt im Südburgenland auf 619 Meter Seehöhe.

Gemeindegliederung: das Gemeindegebiet umfasst folgende fünf Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand 1. Jänner 2017):

Bernstein (954)
Dreihütten (114)
Redlschlag (353)
Rettenbach (316)
Stuben (419)

Die Gemeinde besteht aus den Katastralgemeinden Bernstein, Dreihütten, Redlschlag, Rettenbach und Stuben.

Das Wahrzeichen von Bernstein ist die im 14. Jahrhundert erstmals erwähnte Burg Bernstein; sie ist die höchstgelegene Burg des Burgenlandes.

Geschichte: Das Gebiet von und um Bernstein war Jahrhunderte vor Christi Geburt von Keltischen Stämmen bewohnt. Im Bereich von Bernstein befinden sich etwa 40 norisch-pannonische Hügelgräber des 1. und 2. Jahrhunderts n. Chr. (Ried Bienenhiate, Braunriegel, Hohentann-Langleiten, Hirschwiese, Kreuzriegel, Lange Risten, Pechgraben, Siebenhölzer).

Erstmals wurde der Ort 1388 als Dorf unter der Burg Porostyan gelegen urkundlich erwähnt. Seit dem 12. Jahrhundert wurde Bergbau betrieben. Zuerst wurde nur Eisen gefördert, ab dem 16. Jahrhundert ebenso Schwefel, Kupfer, Kupfervitriol, Silber und sogar Gold. Das Wappen von Bernstein stammt aus dieser Zeit; es zeigt einen Hauerbrunnen (Förderschacht) mit zwei Bergknappen. Anfang des 19. Jahrhunderts fand der Bergbau vorerst ein Ende.

Bernstein ist der Fundort des hell- bis dunkelgrünen Edelserpentins, einer besonders reinen Varietät, der hier zu Schmuck und anderen Kunstgegenständen verarbeitet wird. Der Holzdrechsler Josef Höfer und Pfarrer Ratz entdeckten 1860, dass sich der in den Adern des gemeinen Serpentinits eingeschlossene Edelserpentin – nach der Mohsschen Härteskala weist dieser eine Härte von etwa 2,5 bis 3,5 auf – leicht bearbeiten lässt. Daraus entwickelte sich in der folgenden Zeit ein neues Handwerk, dessen Tradition bis zur Gegenwart erhalten blieb. Für die Gewinnung von einem Kubikmeter Edelserpentin müssen etwa 2000 Kubikmeter gemeinen Serpentinits, der im Straßenbau und in der Kunststeinindustrie Verwendung findet, abgebaut werden.

Wie das gesamte Burgenland gehörte der Ort bis 1921 zu Ungarn. Nach Ende des Ersten Weltkriegs wurde Westungarn in den Verträgen von St. Germain und Trianon Österreich zugesprochen und im Herbst 1921 in das neu gegründete Bundesland Burgenland eingegliedert.

1970 wurden die Gemeinden Dreihütten, Redlschlag, Rettenbach und Stuben mit Bernstein zusammengelegt.

Marktgemeinde ist Bernstein seit 1973 (durch "VO 5" erfolgte Weiterverleihung, Marktrecht seit 1602).

Wappen: Blasonierung: "In Blau über schwarzem Fels ein silberner Hauerbrunnen, begleitet von zwei silbernen Knappen. Es stellt den seinerzeitigen Bergbau dar."

Kultur und Sehenswürdigkeiten:
Burg Bernstein: ObjektID: 8072, Schloßweg 1, die Burg Bernstein in Bernstein im Burgenland wurde im 13. Jahrhundert erstmals erwähnt. Hoch über dem Tauchental ist sie die höchstgelegene Burg des Burgenlandes. 860 n. Chr. gehörte das ganze Gebiet dem Erzbistum Salzburg. Erimbert, ein Lehensmann des Erzbischofs, übergab das an der Pinka gelegene Land seinem Dienstmann, dem "Miles" Jacobus. Der Ortsname Rettenbach wird noch nicht genannt, jedoch der altslawische Name des nahe gelegenen Weilers Grodnau = das zur Burg gehörige Dorf weist darauf hin, dass in der Nähe schon eine Burg stand, und dabei kann es sich nur um Bernstein gehandelt haben. Ab 1199 gehörte die Burg bereits zum Königreich Ungarn. Als Besitzer wurde der Miczbán de genere Akos benannt. Es ist nicht genau bekannt, wann die Burg an den Herzog Friedrich II. von Österreich überging und wie lange der Besitz dauerte, im Jahre 1236 eroberte jedoch Bela IV. von Ungarn die Burg. Jahre später (1260) schenkte er sie dem Grafen Heinrich II. von Güns. Im Jahr 1336 wurden die Grafen von Güssing und von Bernstein vom Ungarnkönig Karl Robert von Anjou entscheidend geschlagen, die Burg Bernstein wurde anschließend als ungarisches Krongut eingezogen. 1388 wurde die Burg an die Familie Kanizsay verpfändet. 1389 begann diese die verfallene Burg neu aufzubauen. 1392 ging die Burg in das Eigentum der Kanizsay über. Knapp hundert Jahre später (1482) geriet die Burg vorübergehend in Besitz von Matthias Corvinus, König von Ungarn. Nach wenigen Jahren erhielt Hans von Königsberg 1487 die Burg als Pfand von Kaiser Friedrich III. 1529 und 1532 belagerten die Türken die Burg, konnten sie aber nicht einnehmen. Daraufhin wurde der Basteienkranz errichtet, um die Burg zur Fluchtburg umzubauen. Im Jahr 1604 wurde die Burg Bernstein von einem kombinierten Heer, bestehend aus Ungarn, Türken und Tataren, unter Stephan Bocskay Wochen hindurch vergeblich belagert. Ludwig Königsberg ließ 1617 den gotischen Innenbau der Burg barockisieren, Bergfried und Türme wurden abgetragen. Wenig später verkaufte Ehrenreich Christoph Königsberg 1644 Herrschaft und Burg an Graf Ádám Batthyány. Erst knapp zweihundert Jahre später (1864) verkaufte Gusztáv Batthyány die Burg an seinen Verwalter Edward O'Egan. Die Erben O'Egans verkauften 1892 die Burg an Eduard von Almásy. Ein bekanntes Mitglied dieser Familie war der Pilot und Wüstenforscher Ladislaus Almásy. Noch heute befindet sich die Burg im Besitz dieser Familie. 1953 wurde ein Teil der Burg zu einem komfortablen Erholungshotel umgewandelt. Einer Sage nach soll auf der Burg die Weiße Frau von Bernstein spuken.
Edelserpentinschleifereien: "Edelserpentinschleiferei Habetler" und die "Edelserpentinschleiferei Mittermann" im Felsenmuseum.
Ehem. Pranger: ObjektID: 8073, Hauptplatz, achteckiger frühbarocker Pfeiler am Hauptplatz.
Ehem. Wirtschaftsgebäude, Café Postkastl: ObjektID: 130652, seit 2015 denkmalgeschützt, Hauptplatz 7.
Evangelisches Pfarrhaus: ObjektID: 8071, Hauptstraße 46.
Evang. Pfarrkirche A.B.: ObjektID: 8070, Kirchengasse 1, als Bethaus 1787 erbaut und 1791 um einen Turm erweitert. Nach einem schweren Brand 1880 wurde der Turm und das nebenstehende Pfarrhaus restauriert. Der Altar im Inneren zeigt ein Bild mit der Auferstehung Christi, die Orgel wurde 1868 von H. Böttcher aus Magdeburg gebaut.
Fabriksgebäude: ObjektID: 130651, seit 2015 denkmalgeschützt, Gartenweg 3.
Felsenmuseum: Hauptpl. 5, 7434 Bernstein. In unterirdischen Stollengängen wird Interessante über die Gewinnung und Bearbeitung des Edelserpentins gezeigt.
Kath. Pfarrkirche hl. Michael: ObjektID: 8068, hinter Hauptstraße 45, im 15. Jahrhundert errichtet und 1733 von der Witwe des Grafen Ludwig Batthyány renoviert und erweitert. Der barocke Hochaltar zeigt eine Kreuzigungsgruppe. Sehenswert sind die gotische Sakramentsnische und die romanischen Fenster.
Madonnenschlössl: ObjektID: 49650, Steinwandweg 6, von Husarenmajor Georg Gyömörei nach Streitigkeiten mit seinem Schwager Graf Almasi, Besitzer der Burg Bernstein, 1923 als Trotzburg erbaut. Das Erdgeschoß ist aus Serpentin gemauert. Die beiden Obergeschoße sind durch eine Holzbalkenkonstruktion getrennt, welche aufwändige Schnitzereien zeigt. Auf dem Dach befinden sich zwei Wasserspeier. 1957 wurde die Trotzburg vom Österreichischen Roten Kreuz als Unterkunft für Flüchtlingskinder erworben. Heute dient es als Veranstaltungszentrum.
Norisch-pannonische Hügelgräber mit Schaugrab: Bevor man in den Kalkgraben kommt, wo bis nach 1947 Kalk gebrannt wurde, befindet sich rechts auf einer Anhöhe ein Wohnhaus, das auf den Grundmauern eines römischen Kastells erbaut wurde. Weitere Zeugen dieser Zeit findet man etwas im Wald verborgen - eine Gruppe von geöffneten Grabhügeln aus der Keltenzeit. Am Wanderweg zw. Buchschachen und Bienenhütte befinden sich ebenfalls Römergräber, die auch von der Bundesstraße aus sichtbar sind.
Pfarrhof: ObjektID: 8069, Hauptstraße 45.
Planetenwanderweg: Der Planetenweg hat grün/weiße Markierungen. Der Ausgangspunkt der Wanderung ist die Sonne am Hauptplatz vor dem Felsenmuseum.
Pranger: Der frühbarocke Pranger befindet sich direkt am Hauptplatz. An dieser Stelle wurden Gesetzesbrecher in Ketten oder mit einem hölzernen Schandkragen (Schandgeige) öffentlich bestraft.
Schaubergwerk: Felsenmuseum Bernstein - In unterirdischen Stollengängen befindet sich das Schaubergwerk des Museums. Schon im Mittelalter wurde in Bernstein und Umgebung reger Bergbau nach Kupfer und Schwefelkies betrieben. Der überdachte Freilichtbereich ist dem erst 1991 eingestellten Antimonerzbergbau gewidmet. Im Felsenmuseum Bernstein Schaubergwerk werden an Hand von naturgetreuen Modellen die verschiedenen Abbaumethoden von den ersten Grabungen im Stollen bis zum Tagbau in modernen Steinbruchanlagen dargestellt.
Steinbogenbrücke: ObjektID: 129242, seit 2012 denkmalgeschützt, Kalteneckerstraße, Pechgraben.
Wegkapelle: ObjektID: 8076.

Persönlichkeiten:
Söhne und Töchter der Gemeinde:
László Ede Almásy (* 1895 auf Burg Bernstein, † 1951 in Salzburg), Saharaforscher und Pilot (Der englische Patient)
Helmut Bieler (* 1952), Politiker
Manfred Sauer (* 1960), lutherischer Theologe

Personen mit Bezug zur Gemeinde:
Eric W. Gritsch (1931–2012), amerikanischer lutherischer Theologe und Autor, aufgewachsen in Bernstein

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