Pilgersdorf

Pilgersdorf (ungarisch: Pergelin, kroatisch: Pilištrof) ist eine Großgemeinde mit 1649 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2017) im Burgenland im Bezirk Oberpullendorf in Österreich.

Geografie: Die Gemeinde liegt im Mittelburgenland am Zöbernbach zwischen Kirchschlag in der Buckligen Welt und Lockenhaus.

Ortschaften (und gleichzeitig Katastralgemeinden) der Großgemeinde sind (Stand Einwohner 1. Jänner 2017):
Bubendorf im Burgenland (268 Einwohner, Ausdehnung 642,31 Hektar, Seehöhe 371 m ü. A.),
Deutsch Gerisdorf (209 Einwohner, Ausdehnung 723,31 Hektar, Seehöhe 358 m ü. A.),
Kogl im Burgenland (108 Einwohner, Ausdehnung 517,93 Hektar, Seehöhe 599 m ü. A.),
Lebenbrunn (136 Einwohner, Ausdehnung 444,82 Hektar, Seehöhe 548 m ü. A.),
Pilgersdorf (594 Einwohner, Ausdehnung 1.199,91 Hektar, Seehöhe 375 m ü. A.)
Salmannsdorf (128 Einwohner, Ausdehnung 495,59 Hektar, Seehöhe 479 m ü. A.) und
Steinbach im Bgld. (206 Einwohner, Ausdehnung 366,64 Hektar, Seehöhe 411 m ü. A.).

Geschichte: Vor Christi Geburt war das Gebiet Teil des keltischen Königreiches Noricum und gehörte zur Umgebung der keltischen Höhensiedlung Burg auf dem Schwarzenbacher Burgberg. Später unter den Römern lag das heutige Pilgersdorf dann in der Provinz Pannonia.

Burgenländische Archäologen fanden um 1980 im Bereich der alten Schule einen kleinen römischen Friedhof aus dem 1. Jahrhundert nach Christus. Der Ort wurde erstmals unter dem Namen "Brunnaron am Zöbernbach" in einer Schenkungsurkunde König Ludwigs des Deutschen im Jahr 844 erwähnt. Darin vermachte der König seinem Kanzler Dominicus einen Gutshof bei Brunnaron an der Grenze zwischen den Grafschaften Ratpots und Rihheris. 860 wurde die "Kirche des Minigo" (= Dominicus) erwähnt. Im 10. Jahrhundert zerstörten die aus dem Osten vordringenden Magyaren Brunnaron. Aus dieser Zeit gibt es einige Funde, ein Bronzedrahtring mit einer Glasperle und Mauerreste einer romanischen Kirche. Im 12. Jahrhundert wurde von deutschen Kolonisten auf den Ruinen eine neue Siedlung gegründet und eine große Kirche (32 × 14 Meter) erbaut.

Aus dem Jahr 1225 stammt die erste urkundliche Nennung Pilgersdorfs unter dem Namen "Pylgrim": "Via magna, quae de villa Pylgrim venit" (deutsch: "Große Straße, die vom Ort Pylgrim kommt"). 1289 wurde der befestigte Ort in der Güssinger Fehde durch die Truppen des habsburgischen Herzogs Albrecht zerstört. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts wurde die heutige Pfarrkirche errichtet, die dem heiligen Ägidius geweiht ist. Die Pfarre wurde wahrscheinlich von den Lockenhauser Franziskanern betreut. 1390 fand die Amtseinführung der Kanizsay als Grundherren von Lockenhaus statt und "Pergelim mit seiner Maut" wird als Ort genannt, der zur Herrschaft Lockenhaus gehörte. Von 1447 bis 1488 war Pilgersdorf an die Pottendorfer, die Herren von Kirchschlag und Krumbach, verpfändet. Während die Türken Güns belagerten, wurde Pilgersdorf 1532 verwüstet. Von etwa 1570 bis 1645 waren die Grundherren und die Bevölkerung Protestanten. Zu dieser Zeit wurden die Toten rund um die Ruinen der alten Kirche bestattet. Der Richter von Pilgersdorf betreute auch die neuen Rodungssiedlungen Kogl, Lebenbrunn und Steinbach. 1597 wird bereits die herrschaftliche Mühle genannt.

Der Ort wurde 1605 von den Bocskay-Haiduken (Türken und Tataren) vollständig niedergebrannt, 1608 haben erst 18 von 29 Lehensleuten mit dem Wiederaufbau ihrer Häuser begonnen. In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts siedeln sich Kärntner und steirische Adelige in Pilgersdorf an (Speidl, Preinberger, Hohenwart, Globitzer, Mensdorff und Hoden), welche eine halbe oder ganze Session bewirtschafteten. Von 1640 bis 1661 verpfändete der Grundherr, Graf Franz von Nádasdy, Baron Speidl und seiner Familie den Ort und erlaubte ihm 1642 das "Große Haus" zu erbauen (Baukosten rund 3000 Gulden). 1649 wurde die erste Schule bezeugt (Holzhaus). Weil die Lockenhauser Augustiner aber ab 1660 den Pfarrhof nicht benützten, verwendeten die Lehrer ihn als Schule. Von 1660 bis 1800 betreuten die Augustiner-Eremiten die Pfarre und führten die Rekatholisierung durch, was ihnen bei den Adeligen nicht ganz gelang, denn 1780 gab es noch zehn Protestanten (Familie Preinberger und Hauspersonal). 1671 wird erstmals das herrschaftliche Gasthaus in der Ortsmitte und 1672 auch eine zweite Mühle genannt. Von 1703 bis 1711 wird der Ort mehrmals von aufständischen Kuruzen geplündert. 1750 fielen viele Menschen der Pest zum Opfer. Im Jahr 1783 wird die Kirche umgebaut und nach Osten erweitert. Nachdem 1789 die Pfarre in Kogl gegründet wird, verkleinert sich die Pilgersdorfer und in den Folgejahren wird die Pfarre von Weltpriestern betreut. Im Jahr 1804 ist Pilgersdorf abgebrannt.

Die heutige Großgemeinde entstand 1971 aus der Zusammenlegung der zuvor selbständigen Gemeinden Pilgersdorf, Bubendorf, Deutsch Gerisdorf, Lebenbrunn, Kogl, Salmannsdorf und Steinbach.

Kultur und Sehenswürdigkeiten:
Bildstock: ObjektID: 67228, vor Kirchschlager Straße 24.
Denkmal aus 1832 und 1921: Kreuz aus 1832 (Cholera) und Denkmaltafel neben B55, bei historischen ungarischen Grenze, heute Burgenland.
Figurenbildstock, Ägidisäule: ObjektID: 67227, Ägydiplatz, die Ägidisäule wurde im 18. Jahrhundert errichtet. Eine Restaurierung und Neuaufstellung erfolgte 1972.
Hausfassade: Historische Darstellung der Bewohner von Pilgers­dorf anno 1225. Gestaltet von F. Reidinger (1991) auf einer Hausfassade.
Kapelle hl. Johannes Nepomuk: ObjektID: 84838, gegenüber Kirchschlager Straße 1.
Kath. Pfarrkirche hl. Ägidius: ObjektID: 30581, Pfarrplatz 1, die römisch-katholische Pfarrkirche Pilgersdorf steht in der Ortsmitte der Gemeinde Pilgersdorf (ungarisch: Pergelin, kroatisch: Pilištrof) im Bezirk Oberpullendorf im Burgenland. Sie ist dem hl. Ägidius geweiht und gehört zum Dekanat Oberpullendorf. Bereits im Mittelalter bestand an dieser Stelle eine Pfarre. Zeitweise war sie evangelisch. Die heutige Pfarrkirche wurde 1649 errichtet. In den Jahren 1660 bis 1820 unterstand die Kirche dem Priorat der Augustiner-Eremiten von Lockenhaus. 1975 wurden westlich der heutigen Kirche, im Bereich der alten Schule, die Fundamente einer vorromanischen Kirche ausgegraben. Unter der Verwendung von Mauerwerk einer vorromanischen Kirche, in der südöstlichen Ecke der Kirche, wurde die Kirche 1783 ausgebaut. In den Jahren 1970 bis 1973 wurde die Kirche abermals, nach Plänen von Siegfried A. Mörth, restauriert und modern erweitert. Die Kirche hat ein klassizistisches Schiff mit Strebepfeilern. Der dreigeschossige Westturm ist im Kern aus dem Mittelalter. Anstelle des Sanctuariums befindet sich heute ein hoher und moderner Saalbau an dieser Stelle. Auch die alten Teile der Kirche sind im Stil der 1970er-Jahre adaptiert, unter anderem wurde ein Volksaltar installiert. An der Ostwand hängt ein barockes Kruzifix, das aus der Kirche in Bubendorf stammt. Seitlich steht ein barocker Taufbrunnen. Die bemerkenswerten Holzfiguren des heiligen Thomas und des heiligen Augustinus stammen vom ehemaligen Hochaltar und stehen jetzt an der Westwand. Sie wurden 1972 restauriert. Die Orgel baute Anton Tausz aus Großpetersdorf am Ende des 19. Jahrhunderts.
Kirchenruine: ObjektID: 67240, Hohe Gasse 6, Mauerreste zweier Kirchen aus dem 10. und 13. Jahrhundert. Die Ältere ist wahrscheinlich die 844 erwähnte Kirche Brunnaron an der Zöbern, die im 10. Jahrhundert von den Magyaren zerstört wurde. Um das Jahr 1200 wurde an gleicher Stelle eine größere romanische Kirche errichtet, die 1289 während der Güssinger Fehde abbrannte. Später wurde hier ein evangelischer Friedhof angelegt und um 1750 ein Schulgebäude darüber errichtet. Erst 1975 bei der Abtragung dieses Gebäudes stieß man auf die Mauerreste.
Kriegerdenkmal: Denkmal für die Gefallenen und Vermissten des Ersten und Zweiten Weltkriegs. Stele neben dem Gemeindeamt gekrönt mit einem Adler, auf dem Sockel Figur eines halb liegenden Soldaten, auf beiden Seiten freistehende Namenstafeln.
Pfarrhof: ObjektID: 84836, Pfarrplatz 1.
Wohnhaus, ehem. Gemeindeamt: ObjektID: 84274, Kirchschlager Straße 26, das Objekt wurde 2011 abgetragen.

Persönlichkeiten:
Josef Schermann, römisch-katholischer Theologe, Liturgiewissenschaftler und Religionspädagoge

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